Mit dem Start von Googles Lively 3D Onlinewelt und der damit verbundenen Aufmerksamkeit der Online-Gemeinde wird es wieder klar: 3D Welten sind und werden immer beliebter. Über 16 Millionen Menschen haben bereits einen aktiven Account, um in diese Welten einzutauchen.
Am besten zu beschreiben ist die Vielzahl dieser Anwendungen mit den Begriffen MMORPG, (Massen-Mehrspieler-Online-Rollenspiel) das Onlinerollenspielen mit sehr vielen Teilnehmern, und Web3D, der Verbindung aus Web-Inhalten und Services mit 3D Grafik. Beispielhaft für die Spanne von unterschiedlichen Anwendungen können am einen Ende World-of-Warcraft, eine Welt bei der das Spielen im Vordergrund steht, und am anderen Ende Googles Lively, bei dem die Kommunikation zwischen den Teilnehmern im Mittelpunkt ist, gelten.
Gemeinsam für alle diese Anwendungen ist das Faktum, dass die Nutzer sich in einer 3D-Welt bewegen können in der sie durch ein 3D Model repräsentiert werden. Die Kommunikation mit anderen Teilnehmern findet entweder text- oder audiobasiert statt. Darüber hinaus unterscheiden sich die Welten in technischer, grafischer und inhaltlicher Hinsicht stark voneinander.
Fraglos ist diese spezielle Form der Nutzung der Internet-Infrastruktur ein florierendes Geschäft. Der Marktführer Blizzard nimmt allein über die Beiträge seiner 10 Millionen Spieler täglich ca. 5 Millionen Dollar ein. Auf der anderen Seite hat sich aus den spielinternen Ökonomien eine Industrie von Unternehmen entwickelt. Diese handeln mit virtuellen Objekten und Währungen und nutzen dabei häufig Plattformen wie Ebay oder Paypal. Eines der interessantesten Beispiele hierfür ist eine Unternehmerin, die mit dem Handel in Second Life ein Millionen-Business aufgebaut hat.
Auch die Wissenschaft hat das Thema für sich entdeckt. Hierbei sind die Schritte hin zu einem Verständnis dieses Phänomens bisher eher klein. So finden sich Studien zu den eher technischen Aspekten und zu den Nutzern, allerdings kann von einem Literaturkanon oder einer Theorie zu Online-3D-Welten nicht gesprochen werden.
Die Nutzung von dreidimensionalen Grafiken erlaubt eine deutlich intensivere Interaktion zwischen den Akteuren. Der Schritt von asynchroner zu synchroner, von Text- zu Audio-Kommunikation wird hier noch durch das grafische Element verstärkt. Ein Trend im Rahmen dieser Art der Onlinenutzung ist die immer stärker werdende Verknüpfung mit anderen Formen der Internetnutzung und speziell dem Web2.0. In den 3D-Welten werden Bilder, Videos etc. von anderen Webseiten angezeigt. Mit Hilfe von Technologien wie RSS ist dies relativ einfach möglich. Insofern existiert kein 3D-Paralleluniversum, sondern es handelt sich um eine Erweiterung des Internets. Dies wird sehr deutlich, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Lively als Plugin im Browser läuft und keine eigenständige Applikation darstellt.
Sicherlich kann dieser Artikel nur einen sehr groben Einstieg in das Themengebiet geben. Einen guten Ausgangspunkt für weitere Recherche stellt der Wikipedia-Artikel zum Thema dar. In den nächsten Wochen werde ich das Thema noch einmal speziell im Hinblick auf die Nutzung im politischen Kontext aufgreifen und versuchen deutlich zu machen, wo die Potentiale und Fallstricke liegen könnten.


