Agendasetting 2.0 – Das Ohr am Publikum

CNN plant auf der Webseite iReport.com seine Aktivität im Bereich Bürgerjournalismus auszuweiten. Schon der der Relauch von CNN.com mitte letzten Jahres hatte das Thema Citizen Journalism mit einbezogen und heute möchte man wohl unter dem Motto „Unedited. Unfiltered. News” an die schon geschaffenen Erfolge anknüpfen. Nur wohin will CNN mit diesem Thema? Klar ist, dass mit iReport Geld verdient werden soll, aber ein solches Angebot kann für einen Contentproduzenten auch noch weitere Vorteile haben. So zum Beispiel Kundenbindung, zusätzlicher Content für wenig (oder gar kein Geld) und ein Ohr am Publikum und seiner Agenda. Auf diesen letzten Punkt möchte ich hier näher eingehen.

Contentproduzenten, ob nun Text (Zeitung/Webseite), Audio (Radio/Podcasts) oder Video Content (Fernsehen/Onlinevideo), stehen bei der Auswahl ihrer Themen immer zwischen zwei Polen. Zum einen möchte man dem Anspruch gerecht werden, alle wichtigen (newsworthy) Themen aus dem jeweiligen Genre (Technik, allgemeine Nachrichten, Wirtschaft) zu bedienen, zum anderen muss auch der Geschmack des Publikums erfüllt werden. Das Problem wird noch größer, wenn man sich klar macht, dass weder das Eine noch das Andere durch eine Redaktion wirklich einschätzt werden kann. Hier kommt nun ePartizipation ins Spiel: Durch die Beteiligung des Publikums kann zum einen festgestellt werden, wie dessen Agenda und Interessenlage aussieht und zum anderen auf einen großen Pool von Meinungen darüber zurückgegriffen werden, was überhaupt „newsworthy” ist. Wenn man dies zu Ende denkt, dann kommt man zu dem Schluss, dass die Überschneidungen zwischen der Agenda und Interessenlage des Publikums und dem, was tatsächlich „newsworthy” ist, sehr hoch sein müsste.

Zur Klärung: Ich rede hier nicht von Bürgerjournalismus, bei dem das Publikum die Inhalte verfasst und wie er von iReport oder Slashdot betrieben wird, sondern von einer Beratungsfunktion, die das Publikum für die redaktionell arbeitenden Mitglieder eines Mediums haben kann. Wie kann eine solche Beratungsfunktion organisiert werden? Zum Beispiel mit Hilfe einer Internetplattform, auf der sich die Redaktionsmitglieder der Diskussion mit dem Publikum stellen. Hierbei ist eine professionelle Moderation notwendig um zu verhindern, dass eine der beiden Seiten (oder beide) ein solches Forum zur reinen Kritik an der anderen nutzen.

Tatsächlich bleibt so die Kontrolle über alle Inhalte und auch die letzte Entscheidung über die Agenda bei der Redaktion, aber dies könnte ein Ansatz der Öffnung für solche Contentproduzenten sein, die den radikalen Ansatz à la CNN oder gar OhmyNews scheuen.

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