Via eDemokratie.ch bin ich auf zwei Studien zur politischen Bedeutung des Internets (in den USA) aufmerksam geworden, über die in der Neuen Züricher Zeitung berichtet wurde. Demnach konnten Blogs (führender US-Zeitungen) innerhalb eines Jahres einen Leserzuwachs von 210% verbuchen (Studie (pdf), Nielson/ NetRatings) und für etwa 15% der US-Bürger über 18 Jahre war während der midterm elections 2006 das Internet die wichtigste Informationsquelle (Studie (pdf), Election 2006 Online).
Die Bedeutung des Internets als Quelle der politischen Information wächst. Ok. Vor zehn Jahren haben mich solche Meldungen noch beeindruckt, aber in Zeiten des ganzen Web 2.0-Hypes? Wo bleibt Politik 2.0 und wo die interaktive Demokratie? Blogs alleine werden die kaum zustande bringen können. Das liegt zum Teil in der Natur des Formats. Blogger stehen oft für eine bestimmte Position, gerade das macht sie interessant. Der Blogger ist außerdem typischer Weise Eigentümer, Herausgeber, Chefredakteur etc. in Personalunion und bestimmt daher gleichzeitig, worüber berichtet und welche Kommentare zugelassen werden. Das ist in Ordnung, erklärt aber auch, warum innerhalb einzelner Blogs kaum Diskussionen entstehen (und ja, wie immer gibt es Ausnahmen, z.B. im weblawg).
Im Gegenteil scheinen Blogs vor allem „like-minded people“ zu versammeln, Leute also, die eh schon einer Meinung sind. Gutes Beispiel dafür ist netzpolitik.org, eines der wenigen deutschsprachigen Weblogs im thematischen Schnittfeld von Politik und Internet, die sich eine nennenswerte Leserschaft erschreiben konnten. Die Grundposition ist klar: Open source und Datenschutz sind gut, DRM, Vorratsdatenspeicherung und Kontrolle böse. Ambivalenzen, Zwischentöne und abweichende Meinungen artikulieren sich kaum, nicht weil hier zensiert wird, sondern weil Autoren und Kommentatoren gewöhnlich ins gleiche Horn tuten. (Am Rande bemerkt: Derzeit versucht die EU-Kommission eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema anzuschieben: “We need to balance access to data for those protecting our security and fighting crime with protecting people’s privacy rights


