Von Bengt Feil, 22. November 2007, 14:28 Uhr

Die gute Wikipedia erklärt uns, dass der Begriff Whistleblowing ursprünglich die Warnung der englischen Bobbies vor einem laufenden Verbrechen bedeutet. Heute meinen wir mit dem Begriff Whistleblower meist eine Person innerhalb einer Regierungsorganisation oder eines Unternehmens, die Informationen über ein Fehlverhalten der Organisation der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Der wohl (auch wenn es ihm selber nicht sehr gefallen mag) berühmteste „Whistleblower“ der letzten Jahrzehnte ist William Mark Felt Sr. aka Deep Throat, der im Jahre 1972 half die Watergate-Affäre aufzuklären. Natürlich ist der „Job“ eines Whistleblowers nicht ganz ungefährlich und die Lösung dieses Problems von Mr. Felt (nämlich sich rauchend nachts in Parkhäusern mit Journalisten zu treffen) ist auch nicht für jeden Staatsdiener oder Geschäftsmann der optimale Weg. Hier setzt nun wikileaks.org an.

Wikileaks hat sich zur Aufgabe gemacht ein nicht zensierbares System zu entwickeln, mit dem Whistleblower massenhaft Dokumente veröffentlichen können, damit diese öffentlich analysiert werden können. Dabei liegt ein Fokus auf Asien, den ehemaligen Soviet-Staaten, dem Mittleren Osten und Afrika. Laut eigenen Angaben sind bisher 1,2 Millionen Dokumente über die Plattform veröffentlicht worden. Hinter der Webseite steht eine Gruppe von chinesischen Dissidenten.

Ein Beispiel für ein Dokument, dass auf der Wiki veröffentlicht wurde ist der „Camp Delta Standard Operating Procedure“-Text, der ausführlich die operativen Vorgänge innerhalb des Guantanamo-Gefängnisses beschreibt.

Wie soll man nun eine solche Webseite bewerten? Klar können hier eine Menge Probleme auftreten: Ist ein veröffentlichtes Dokument echt? Welche politische Intention steht hinter der Veröffentlichung? Welche Rolle spielt die Agenda der Webseitenbetreiber? Aber ehrlich gesagt sind dies Probleme, die journalistischen Alltag ebenfalls ständig auftauchen. Insofern sind die Informationen auf der Webseite mit Vorsicht zu genießen, aber sicherlich gerade für Journalisten und Blogger eine spannende Quelle. Die Meinung dieser „Zielgruppe“ von Wikileaks zu dem Projekt scheint dem entsprechend auch überwiegend positiv zu sein.

Also mein Aufruf an die Manager und Staatsdiener dieser Welt: Werdet los, was bei euch schief geht – dann bekommt ihr auch nicht so leicht einen Herzinfarkt.

Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Verwandte Artikel:

Kommentiere den Artikel oder setze einen Trackback

Bisher 1 Kommentar zum Artikel

Kommentiere den Artikel



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen