eParticipation im Virtual Web

Wie sich mehrfach zeigte werden Online-Partizipationsangebote rege genutzt und könnten bald fester Bestandteil bei frühen Phasen z.B.  der Haushalts- und Bauplanung sein. Interaktive Beteiligungsplattformen sind im Begriff einen neuen Standard zu setzten, der das statische Konzept reiner Informationsseiten aus dem Bereich des eGovernment ergänzen oder in Zukunft vielleicht ablösen könnte. Das Potential für den politischen Austausch interaktiver Internetplattformen ist dabei noch lange nicht erschöpft.

Arthur Dent, der wohl berühmteste Romanheld aus der Feder des englischen Schriftstellers Douglas Adams, findet sich eines gewöhnlichen Morgens vor seiner Tür einem Bautrupp gegenüber, der sich im Begriff erklärt, das Haus in dem er wohnt, anlässlich des Baus einer Umgehungsstraße, abzureißen. „Sie hätten sich ja über die Pläne informieren können […] im Keller des Rathhauses hing eine Bekanntmachung“, lautet die höhnische Moral des Vorarbeiters.

Diese Textpassage ist in der für englische Satire typischen Weise und mit der gewissen Liebe des Autors zum Absurden, natürlich völlig überzogen, jedoch spekuliert die Rhetorik der fiktionalen Episode auf negative Erfahrungen der Leser mit Verwaltungsprozeduren, wenn nicht gar auf eine gewisse Ämterfeindlichkeit im Allgemeinen. Mit größeren Bauvorhaben werden häufig planerische Undurchsichtigkeit und fehlende Partizipationsmöglichkeiten für Anwohner und Bürger verbunden. Die Hürden für eine Beteiligung sind häufig relativ hoch angesetzt. So verbieten enge Terminpläne nicht selten die Teilnahme an öffentlichen Informationsveranstaltungen, Baumodelle und Baupläne sind häufig schwierig zugänglich (wenn auch nicht gleich im Keller des Rathhauses verborgen). Vor allem aber sind die Baupläne nicht unmittelbar jedem auf Anhieb verständlich. Meinungsbildungsprozesse die das Projekt direkt betreffen, sind für die Planer meist schwer zu erfassen.

Das vermehrte Aufkommen von Online-Äquivalenzen zu bisherigen Modellen der Bürgerbeteiligung, verdankt sich einer erhöhten Nachfrage der Kommunen und Gemeinden, sowie der aktiven Annahme der Angebote durch die Bürger.

Informationelle Internetplattformen erlauben es Bürgern den Planungsstand zeitlich unabhängig abzufragen und eine verbesserte Vorstellung von der Finanzierung oder der Einbettung der Projekte in größere Zusammenhänge der Stadtentwicklungsplanung zu erlangen. Interaktive Anwendungen, erlauben darüber hinaus einen online-gestützten Diskurs über das Projekt, der im gleichen Zug einen schriftlichen Mehrwert erzeugt, welcher auch ein stilles Teilhaben an dem Projektdiskurs interessant macht.

Online-Plattformen, wie die auf Demos-Basis gestarteten Bürgerbeteiligungen zu den Hamburger Bauprojekten „Hamburger Domplatz“ oder „Living Bridge“, haben die Prozeduren der Bürgerbeteiligung auf einen zeitgemäßen Stand gehoben und die Möglichkeiten der Beteiligung darüber hinaus grundsätzlich verbessert. Sie sind mit ihrem Potential aber noch lange nicht am Ende.

Wie sich zeigte steigt die Zufriedenheit bzw. die Nutzungsintensität der eGovernment-Angebote z.B. öffentlicher Websites mit dem Umfang der interaktiven Möglichkeiten und dem Raum zur Partizipation.

Dies kann als Signal dafür gewertet werden, dass die Bereitstellung weiterer technischer Beteiligungsstrukturen, also weiterer Beteiligungsmöglichkeiten, auch mit einer weiter steigenden Online-Partizipation einhergehen würden.

Neben Diskussionsforen und Weblogs ließe sich so z.B. eine Einbindung virtueller 3D-Welten in die Bürgerbeteiligung vorstellen. Landesvertretungen und einige Eu-Institutionen haben auf der Plattform „Second Life“ bereits virtuelle Ableger geschaffen. Für die bürgernahe Entwicklung von Bauvorhaben ließen sich unter Zuhilfenahme derartiger Plattformen, die Vorteile der 3D-Modellierung mit empirischen Befragungen und interaktiver Bürgerbeteiligung verbinden.

 

Bei der Planung der „Living Bridge“ wurde z.B. die Größendimension der Brücke immer wieder zur Disposition gestellt. So war ein wesentlicher Kritikpunkt an dem Konzept, dass die Brücke wichtige Sichtachsen auf die neu entstehenden Stadtteile versperren würde. Ein online begehbares Modell des Bauvorhabens und ihrer näheren Umgebung in authentischer Dimension könnte es Interessierten in Zukunft ermöglichen den Baukomplex mittels eines Avatars selbst aus verschiedenen Richtungen zu betrachten. Auf diese Wiese gewonnene Eindrücke könnten wieder in den Dialog mit eingebracht werden, für den der virtuelle Raum dann wieder verlassen werden kann, aber nicht muss. Über Gebäudemodelle und realistische Geodaten hinaus, könnten Prognosen aus der Klimaanalyse, Abschätzungen über Verkehrsaufkommen, Tourismus und vieles mehr in Form virtueller Simulationen eingebracht werden. Gleichzeitig könnten derartige Plattformen natürlich auch dazu dienen Anwohnern einen Überblick über etwaige Erlebnismöglichkeiten aus den Bereichen Freizeit, Sport und Kultur zu verschaffen und somit eine individuelle Abwägung der Vor- und Nachteile erleichtern.

Freie Modulationsplattformen könnten auf diese Weise (zumindest sehr Grobe) Möglichkeiten bieten rekursiver Weise Vorschläge über gestalterische Partizipation in frühe Phasen des Planungsprozesses mit einzubringen.

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2 Antworten auf eParticipation im Virtual Web

  1. Claas sagt:

    Schöner Beitrag! Douglas Adams spitzt die Situation doch noch etwas mehr zu: … in the bottom of a locked filing cabinet stuck in a disused lavatory with a sign on the door saying ‘Beware of the Leopard‘ d.h. in etwa unten in einem verschlossenen Aktenschrank in einem ausgedienten WC, an dessen Tür stand ‘Vorsicht! Bissiger Leopard!’ Anbei: In unserer Veranstaltung Web 2.0 und kommunale Webauftritte am 11.11. wird es auch um neue Formen der E-Partizipation gehen.

  2. Udo sagt:

    Ich empfehle die sechsteilige Fernsehserie [Deutsche Synchronisation 1984]

    Die Geschichte um Arthur Dent, welcher erst in dem Moment, als der Abrissbagger in seinen Kleingarten fährt, in Erfahrung bringen kann, daß sein Haus einer Umgehungsstraße zu weichen hat, zeigt in den Dialogen, daß Partizipation, Meinungsbildungsprozesse und der freie Zugang zu Informationen zuweilen erschwert bzw. vereitelt wird. Hier wird sehr deutlich gemacht, wie der Bürger Dent auch um seine Rechte beschnitten wird, rechtzeitig den Rechtsweg gegen das städtische Bauprojekt zu beschreiten, oder eine INI gegen die Umgehungsstraße zu gründen. -
    Die Kritik am Verwaltungsapparat, der wichtige, den Bürger betreffende Informationen, im Keller des Rathauses unter Verschluß hält und jede Partizipation verhindert, wird hier sehr deutlich transportiert.

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    Die Vogonen – “mies gelaunt, bürokratisch, aufdringlich und gefühllos” -
    die in diesem Roman die Erde sprengen, um eine Hyperraumschnellstraße durch den WeltRaum zu bauen, sollten uns mahnen, an unserer eKommunikation und e-Partyzipation zu arbeiten…

    Diese Textpassage ist in der für englische Satire typischen Weise und mit der gewissen Liebe des Autors zum Absurden, natürlich völlig überzogen, jedoch spekuliert die Rhetorik der fiktionalen Episode auf negative Erfahrungen der Leser mit Verwaltungsprozeduren, wenn nicht gar auf eine gewisse Ämterfeindlichkeit im Allgemeinen.

    Ja. Siehe auch Die Veloprüfung

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    Die Überleitung von Arthur Dent zum Thema Living Bridge finde ich sehr gelungen. Schön, daß hier nochmals das Thema 3D Szenario aufgegriffen wird, in welchem mittels Avatar, in allen Phasen und aus allen Perspektiven, die architektonisch Planung erlebt werden kann…

    BürgerIn sollten wohl auf den 3D Moment in virtuellen Bauwerken vorbereitet sein, und sich rechtzeitig einen Avatar “schnitzen” bzw. modellieren!

    Poser 7 und DAZ Studio angucken.

    U

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