Letzte Woche fand in Kopenhagen die jährliche Konferenz der Association of Internet Researchers statt. Unter dem Titel “Rethinking Community, Rethinking Place” kamen 400 Wissenschaftler aus aller Welt an der IT Universität von Kopenhagen zusammen, um ihre aktuellen Forschungsarbeiten zum Internet vorzustellen.
Am beeindruckensten war wohl der Vortrag von Stephen Graham “Sentient Cities: Ambient Intelligence and the Politics of Urban Space”. Graham arbeitet seit 15 Jahren zum Verhältnis von städtischem Raum und Mobilität, wobei sich seine Arbeit entlang der Achsen Infrastruktur und Technologie auf der einen Seite bewegt, Krieg, Überwachung und Geopolitik die andere Achse bildet. In seinem neusten Buch und auch in seinem Kopenhagener Vortrag beschreibt er die Implikationen der Technologien Neuer Medien für das städtische Leben und die zunehmende Ausbreitung von Überwachungssystemen, die durch Computersoftware eine zunehmende Automatisierung erfährt. Das Buch hierzu wird voraussichtlich im März unter dem Titel “Cities Under Siege: The New Military Urbanism”. erscheinen und ist unbedingt lesenswert, auch wenn die Szenarien die er beschreibt, durchaus erschrecken.
So umfassend groß und vielfältig das Internet ist, so waren auch die übrigen Vorträge auf der IR 9.0. Ihnen fast allen gemein war, dass sie eher einen qualitativen Ansatz folgten, und damit dichte Beschreibungen zu Bereichen wie e-science, online Spielen oder Religion im Internet lieferten, und weniger Daten z.B. zu den Nutzungsweisen im Internet präsentierten. Leider war für mich der e-participating track ein wenig enttäuscht.
Dies wurde aber mehr als aufgewogen durch ein interessantes Gespräch mit Thomas Hammer-Jakobsen. Thomas Hammer-Jakobsen ist Leiter des Copenhagen Living Labs, das neben der IT University of Copenhagen gelegen ist. Hier wird versucht Antworten auf die Frage zu finden, wie öffentliche Verwaltung aber auch Unternehmen die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse – die durch den technologischen Wandel ausgelöst sind, begegnen können, welche Innovationen sind möglich bzw. werden benötigt. Ich war sehr beeindruckt von der Tatsache, dass Thomas Hammer-Jakobsen und seine Kollegen den Ansatz des Living Labs und damit die Idee der “user driven innovations”, der Gewinnung von Ideen und Innovationen aus dem alltäglichen Leben heraus sehr ernst nehmen. Ein gutes Beispiel für dieses Vorgehen ist die Tatsache, dass sie ein Altenwohnheim in Kopenhagen als Living Lab aufgebaut haben, und dort vor Ort, mit ihren Forschern ethnographische Studien durchführen. Des Weiteren experimentieren sie derzeit auch an der Entwicklung einer Online Plattform die diesen Prozess der “user driven innovation” bei einer Reihe an Themen unterstützen soll.


