Durch die aktuellen Vorgänge in Tibet ist die Zensur des Internets durch staatliche Organe wieder in aller Munde. So wurden zum Beispiel Google News und Youtube dort gesperrt. Allerdings gehören nicht nur Staaten oder staatliche Organe zu den Kräften die Webseiten für Internetnutzer sperren oder Services einschränken. Vielmehr sind es gerade die Anbieter von Internetanschlüssen (ISPs) und andere Unternehmen, welche die Infrastruktur des Netzes bewirtschaften, die oftmals auf ihr eigenes Gutdünken hin Webseiten sperren oder die Nutzung des Internets für User einschränken.
In den Fällen von wikileaks und ratemycop zum Beispiel haben die Domainprovider, also die Unternehmen, die für die jeweiligen Webseitenbetreiber die Adressen managen, auf Druck von Außen hin die Webseiten offline genommen, ohne das ein eindeutiges Urteil eines Gerichtes vorlag. Genauer gesagt haben die Provider die wichtigsten Domains die zu der Webseite führten abgeschaltet. Im Falle von wikileaks bezog sich der Vorwurf der Verletzung der Privatsphäre von Bankkunden auf nur einen kleinen Teil der Webseite und ein ordentliches Verfahren gab im Endeffekt wikileaks Recht. Dennoch war die Webseite für einen längeren Zeitraum offline und praktisch nichz zu erreichen. Bei ratemycop steht noch aus, wie das Ganze ausgehen wird. Klar ist, dass Domainprovider mit ihren Entscheidungen einen großen Einfluss auf den Erfolg eines Projektes oder eines Unternehmens haben.
Auch die ISPs werden immer mehr in die Rolle der Internetpolizei gedrängt. Speziell die Film- und Musikindustrie versucht, die Anbieter von Internetanschlüssen davon zu überzeugen, dass sie dafür verantwortlich sind, illegales Kopieren von Mediendateien zu verhindern, weil dies ja mit Hilfe ihrer Netzwerke geschehen würde. So haben Japanische ISPs begonnen, jede Form von Peer2Peer Traffic zu beschränken – wohl in der Annahme P2P würde ausschließlich von Raubkopierern benutzt und nicht zum Beispiel auch von Skype oder zur legalen Distribution von Software. Auch AT&T in den USA plant Filter für Copyrighted Content einzuführen. Die Intention hinter diesen Maßnahmen mag richtig sein, aber der Druck der auf ISPs ausgeübt wird, damit diese (übrigens technisch meist unzulänglichen, da eigentlich ALLE Datenpakete untersucht werden müssen und trotzdem die Geschwindigkeit für den Enduser nicht übermäßig leiden darf) Maßnahmen implementiert werden, ist gefährlich. Wenn die ISPs für die Art und Weise der Nutzung ihres Netzes verantwortlich sind, warum sollte dies nicht auch die Telefongesellschaften sein. Den das untersuchen von allen Datenpaketen ist nichts weiter als das abhören aller Telefonate durch den Telefonanbieter.
Zusammenfassend sollte man als Betreiber einer Webseite und auch als normaler Nutzer des Internets nicht unterschätzen, wie groß der Einfluss der Unternehmen ist, die die Infrastruktur des Netzes verwalten. Man kann nur hoffen, dass die Konkurrenz auf dem ISP- und Domainprovidermarkt groß genug ist, dass die Kunden selbst entscheiden können, was sie sich gefallen lassen wollen.



Die Open Net Initiative ist eine tolle Quelle zum Thema welche Staaten filtern was und auf welcher Ebene:
ok, der Link ist http://opennet.net/