Gedaschko & von Welck im Domplatz-Forum

Gestern haben Axel Gedaschko, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt & Kultursenatorin Karin von Welck im Domplatz-Forum live mit den Teilnehmer/innen diskutiert.

Hier eine Zusammenfassung:

Was halten Sie von den vielen Ideen, die schon entwickelt worden sind?

Axel Gedaschko:
Ich freue mich über die vielen Anregungen und die Ernsthaftigkeit mit der die Hamburger hier ein Stück Zukunft planen auf einer Fläche, die für die Geschichte Hamburgs bedeutsam ist.

Prof. Dr. Karin v. Welck
Ich finde es unheimlich spannend, dass sich schon jetzt so viele Bürger an der Diskussion beteiligt haben mit ganz vielen Ideen, Anregungen und Plänen. Das macht deutlich, wie wichtig für die Hamburger dieser Domplatz ist. Ein Platz mit Geschichte, auf dem man sicher eine gute Perspektive für die Zukunft entwickeln kann.

Wird es zukünftig ein generelles Forum zu Stadtplanungsprojekten geben?
Axel Gedaschko
Wir meinen dieses Experiment durchaus ernst. Und die Frage, ob wir so etwas wiederholen oder intensivieren, wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit dieses Forum erfolgreich ist. Erfolgreich für mich bedeutet nicht, dass es eine Entscheidung für die eine oder andere Möglichkeit gibt, sondern eine breite Akzeptanz und interessante Vorschläge.

Wie werden Sie die breite Akzeptanz ermitteln?
Axel Gedaschko
Für mich ist die Zahl der ernsthaften Vorschläge entscheidend, die hier gemacht werden und die Gesamtzahl der User. Es geht mir also darum zu sehen, ob nur eine Kleinstgruppe von Anwendern dieses Angebot nutzt oder es sich um einen breiteren Teilnehmerkreis handelt. Bislang ist für mich die Tendenz zum breiteren Teilnehmerkreis da.

Wird es ergänzend zu diesem Forum auch eine öffentliche Diskussionsveranstaltung geben?
Prof. Dr. Karin v. Welck
Ja, warum nicht. Aber das wäre nichts Neues, öffentliche Veranstaltungen zum Thema “Domplatz” hat es schon mehrere gegeben. Trotzdem, wenn es genügend diskussionswürdige und ausgearbeitete Vorschläge gibt, ist eine öffentliche Veranstaltung zu der alle Chat-Teilnehmer eingeladen werden, denkbar.

Wie würden Sie sich persönlich den neuen Domplatz wünschen?
Axel Gedaschko
Ich kann mir durchaus eine Freifläche vorstellen, die den historischen Kontext aufnimmt, aber auch eine höherwertige Nutzung für öffentliche und auch teilweise touristische Zwecke. Der Inhalt müsste dann auch die Form bestimmen und nicht umgekehrt. Eines darf aber keinesfalls wieder passieren: Überfrachtung dieses Platzes mit Anforderungen, die eine Realisierung nahezu unmöglich machen.

Prof. Dr. Karin v. Welck
Ich fände es nach wie vor schön, wenn die Zentralbibliothek in Form einer Bibliothek der Zukunft auf dem Platz entstehen könnte. Gleichzeitig wünsche ich mir aber auch eine Informationsmöglichkeit über das reiche kulturelle Angebot unserer Stadt und ausreichend Raum zur Entspannung und vielleicht auch kleinere kulturelle Veranstaltung.

Wann soll mit der Domplatzbebauung begonnen werden?
Axel Gedaschko
Wir wollen noch in diesem Jahr den derzeitigen traurigen Zustand beenden: Zurzeit wird der erste Entwurf eines begrünten Platzes mit archäologischen Elementen erarbeitet. Damit soll verhindert werden, dass bis zur Umsetzung eines neuen Planes an dieser Stelle wieder Parkplatztristesse entsteht. Und dann können wir – nicht auch zuletzt auf der Basis der Vorschläge die jetzt hier von Allen eingestellt werden – in Ruhe überlegen, welche Inhalte in welcher Form wir an diesem historischen Ort haben wollen. Ich würde mir wünschen, dass dies in der neuen Legislaturperiode, in dem Zeitraum 2008-2012 Wirklichkeit wird.

Gibt es von Seiten der Behörden eine Präferenz, ob der Domplatz eher bebaut werden soll oder ob vielmehr Freiflächen gewünscht sind? Und wird dieses Forum mitentscheiden können?
Prof. Dr. Karin v. Welck
Ich finde es gut, dass zunächst einmal eine Freiraumplanung durchgeführt wird. Danach haben wir Zeit, über alle möglichen Optionen in Ruhe nachzudenken und zu diskutieren. Dabei wird sicher auch dieses Forum eine wichtige Funktion einnehmen.

Axel Gedaschko
Letztendlich wird über diese Frage die Bürgerschaft entscheiden. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ein eindeutiges Ergebnis in diesem Forum für die Abgeordneten schon ein Fingerzeig ist.

Die meisten Teilnehmer möchten den Domplatz als Freifläche erhalten oder nur teilweise bebaut sehen. Hat Sie dieses Ergebnis überrascht?
Axel Gedaschko
Das Ergebnis hat mich nicht wirklich überrascht, weil auch ich mir so eine Lösung gut vorstellen kann.

Einige Entwürfe betonen die Trittstein- oder Achsenfunktion des Domplatzes, als Bindeglied zwischen Innenstadt und HafenCity. Ist das aus Ihrer Sicht von Bedeutung?
Axel Gedaschko
Ja unbedingt. Die HafenCity wächst und wird viele Menschen anlocken. Entweder als Besucher oder wenn sie dort leben oder arbeiten. Der Weg hin und zurück von der HafenCity führt über den Domplatz. Wir haben hier die Chance, entweder etwas Profanes, Belangloses oder etwas der historischen Dimension des Platzes Angemessenes zu realisieren.

Arbeitet die Stadt schon an einem übergreifenden Konzept für die Achse Innenstadt – Hafencity?
Axel Gedaschko
Es wird im Moment überlegt, wie man die fußläufige Verbindung von der Innenstadt zur HafenCity attraktiver macht als bislang. In der Planung war dabei u.a. auch ein Skywalk (hochgelegte Fußgängerbrücke auf Stelzen über die Willy-Brandt-Straße). Hierzu hat es auch schon einen Wettbewerb gegeben. Die Ergebnisse waren indes nicht überzeugend und die Idee wurde deshalb verworfen.

Die meisten Teilnehmer/innen sind keine Stadtplaner oder Architekten. Wenn hier einige Vorschläge eine breite Akzeptanz erzielen könnten, wäre es denkbar, dass die Entwürfe in Kooperation von Ideengebern und Experten gemeinsam weiter entwickelt werden?
Axel Gedaschko
Auf Basis des hier begonnenen Bürgerforums und der Auswertung seiner Ergebnisse kann mit einer geeigneten Gruppe aus Politik, Fachleuten und Bürgern (unter Beteiligung aller daran Interessierten) ein Weg zur Lösung Domplatz entwickelt werden.

Sollte der “neue” Domplatz seine Geschichte “erzählen”?
Prof. Dr. Karin v. Welck
Auf jeden Fall! Die Besonderheit des Platzes für Hamburg liegt ja gerade in seiner Geschichte.

Diesen Bezug kann ja ein Gebäude, das die Nutzung in den Vordergrund stellt, kaum herstellen. Würden Sie also eher eine Dauerausstellung, einen begehbaren Stadtgrundriss, wie er schon vorgeschlagen wurde oder ein Museum bevorzugen?
Prof. Dr. Karin v. Welck
Ein Museum an dieser Stelle fände ich nicht befriedigend. Es sollte, aus meiner Sicht, ein belebter Ort mit viel Publikumsverkehr werden, möglichst mit “langen Öffnungszeiten”. Darüber hinaus sollte aber natürlich in geeigneter Weise auf die Geschichte hingewiesen werden. Die Besucher sollten verstehen, dass sich hier die Keimzelle Hamburgs befindet.

Sehen Sie eine Chance ein öffentliches Gebäude, wie z.B. ein Museum, das laufende Kosten produziert, oder eine Freifläche, politisch durchzusetzen?
Prof. Dr. Karin v. Welck
Ich bin der festen Überzeugung, dass die ausführliche Diskussion über den Domplatz zumindest eines erreicht hat: Eine Lösung, die von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung getragen wird, sei es eine Freifläche oder die Bebauung mit einer öffentlichen Institution, wird politisch durchsetzbar sein, auch wenn dann unter Umständen keine Investoren an dem Projekt beteiligt sind, das heißt, die öffentliche Hand das Projekt finanziert. Der Platz ist einfach zu wichtig für Hamburg, als dass dort zum Beispiel ein x-beliebiges Bürogebäude genehmigt werden würde.

Ein x-beliebiges Bürogebäude wird sicherlich schwierig, aber die Ansiedlung von finanzstarken Einzelhandelsketten, Designerläden, usw. klingt für viele Entscheidungsträger sicherlich reizvoller als nur laufende Kosten.
Es wäre schade wenn am Ende doch nur ein Kompromiss heraus kommt.

Prof. Dr. Karin v. Welck
Ich glaube, alle haben aus der bisherigen Diskussion gelernt, dass die Hamburger den Domplatz zu wichtig finden, um dort ein Einkaufszentrum, oder Ähnliches, entstehen zu lassen. Die deutliche Aussage von, schon jetzt, ganz vielen Teilnehmern an dem Forum, die sich möglichst einen Freiraum, allenfalls aber eine lockere Bebauung, wünschen, wird die künftigen Diskussionen mit Sicherheit beeinflussen.

Ist die das „Domforum“ des Büros “überNormalNull” auch in der Stadtentwicklung bekannt und hat man sich damit schon näher beschäftigt?!
Prof. Dr. Karin v. Welck
Nicht nur die Stadtentwicklungsbehörde, sondern auch die Kulturbehörde kennt die Planung von “überNormalNull”. Ich finde es gibt dort viele gute Ideen für die Platzgestaltung. Die Nutzung der Gebäude bei dieser Planung ist allerdings noch nicht recht ausgefeilt. Aber ich bin sicher, dass die Planung von “überNormalNull” ein wichtiger Diskussionsbeitrag für die spätere, endgültige Gestaltung des Domplatzes sein wird.

Warum sollte es nicht möglich sein einen Neubau zu realisieren, der sich in seiner Form und Gestalt an dem alten Johanneum orientiert?
Axel Gedaschko
Eine historisierende Kopie des alten Johanneums halte ich für problematisch. Für mich ist erst einmal entscheidend, was, also welcher Inhalt, an dieser Stelle stattfinden soll. Aus meiner Sicht sollte dann der Inhalt die Form bestimmen und nicht umgekehrt die Form den Inhalt.

Wie beurteilen Sie eine Seilbahnverbindung zwischen Domplatz und Hafencity, die eventuell sogar über die Elbe springt?
Axel Gedaschko
Ich würde so einen Vorschlag nicht von vornherein ablehnen. Es gibt einige Städte, die sich für Touristen eine solche Seilbahn gebaut haben, beispielsweise in Singapur oder Lissabon. Aber eine Seilbahn würde immer sich einpassen müssen in die hier existierende, dichte Bebauung und ob das gelingt, da habe ich gewisse Zweifel. Zudem wäre eine Seilbahn niemals in der Lage, andere Transportmittel wie Busse, U-Bahnen usw. zu ersetzen. Das bedeutet, dass es sich hier um eine touristische Attraktion handelt, die sich von allein tragen müsste.

Herr Senator, Sie hatten nach der Kritik an der HafenCity angekündigt, dass eine Beteiligung der Kritiker und auch der Bürger an der weiteren Planung der HafenCity angestrebt wird. Könnten Sie sich hierfür einen ähnlichen Weg vorstellen wie beim jetzt beim Domplatz (Internetforum, danach gemeinsame Weiterentwicklung)?
Axel Gedaschko
Das ist eine gute Anregung. Aber ich will erst einmal sehen, ob sich dieses Instrument am Beispiel Domplatz bewährt. Wir werden noch im Juni im Cruise Terminal eine öffentliche Diskussion zum Planungsstand und dem weiteren Vorhaben veranstalten. Ort und Zeit werden noch einmal in der Presse veröffentlicht. Kommen Sie?

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