Das Thema Filesharing, also der legale und illegale Austausch von Daten meist mit Hilfe von P2P-Software, ist normalerweise nicht oft Thema der nationalen oder europäischen Politik. Das scheint sich jetzt allerdings, zumindest ein bisschen, zu ändern. Die EFA (Europäische Freie Allianz), eine der beiden grünen Fraktionen im europäischen Parlament, stellt sich offen auf die Seite der Filesharer – auch derjenigen, die illegal Dateien tauschen.
Auf einer Seite zum Thema macht die Fraktion deutlich, dass sie die Logik der Medienkonzerne, nach der das Herunterladen einer Musik- oder Filmdatei dem Diebstahl einer Handtasche oder eines Autos entspräche, nicht folgen wollen. Laut der EFA dienten die Gesetze, die angeblich die Künstler von Verdienstverlust schützen sollen, nur den Medienkonzernen und die Raubkopierwarnungen auf DVDs seien nichts weiter als „Propaganda“. Außerdem würden diese Gesetze normale Bürger in den europäischen Ländern kriminalisieren. Hier das Kampagnenvideo:
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=2ux4uhxdewU[/youtube]
Meiner Meinung nach ist es relativ egal, wie man persönlich zu dem Thema steht (wobei ich schon überrascht über die radikale Haltung der EFA bin), aber es ist wichtig, dass das Thema auf die politische Agenda gesetzt wird. Die momentanen gesetzlichen Regelungen und praktischen Vorgehensweisen im Bereich des Filesharing und damit auch des Copyrights im digitalen Zeitalter sind überholt bzw. panisch zusammengezimmert. Vielleicht hilft dieser Vorstoß der EFA, eine Diskussion über das Thema auf europäischer Ebene anzustoßen. Diese könnte dann tatsächlich zu besseren Regelungen für Konsumenten (uns) und Content-Produzenten (die Künstler) führen.
Nachtrag: Die Motivation hinter der Kampagne der EFA bleibt unklar, aber die PR-Wirkung ist auf jeden Fall gewaltig. Im Laufe des gestrigen Tages haben unter anderem Spiegel Online und heise über den Vorstoß berichtet.


