Heute war es also soweit: Nach jahrelangen Debatten, einer Online-Bürgerbeteilgung und 15 Monaten Bauzeit haben heute Anja Hajduk, Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt und Markus Schreiber, Bezirksamtsleiter Mitte, den Domplatz wiedereröffnet. Die Gestaltung hat viele Vorschläge der Teilnehmer der Internetdiskussion berücksichtigt.
Zum Hintergrund:
Der Domplatz ist ein kulturgeschichtlich bedeutsamer Ort der Stadt Hamburg. Archäologische Ausgrabungen haben Spuren eines Befestigungswalls aus dem 9. oder 10. Jahrhundert entdeckt, der als Domburg zum Schutz des erzbischöflichen Mariendoms diente. Später sind auf dem Domplatz immer wieder neue Kirchengebäude errichtet worden. 1035 erbaute Erzbischof Bezelin hier dann den ersten steinernen Dom, der in Ausgrabungen nachgewiesen werden konnte.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Dom abgerissen und zwischen 1839 – 1842 mit mehreren Schulen des Johaneums bebaut, deren Gebäude ab 1914 als Staatsbibliothek genutzt wurde. Im zweiten Weltkrieg ist Staatsbibliothek weitestgehend zerstört worden und musste nach dem Krieg abgetragen werden. Seit dieser Zeit diente der Domplatz lediglich als Parkplatz.

Bereits 1982 führte die Patriotische Gesellschaft einen offene Architektenwettbewerb zur Gestaltung des Domplatzes durch, dessen Ergebnisse aber nie realisiert worden sind.
Im Frühjahr 2005 unternahm die Projektentwicklungsgesellschaft Domplatz mbH im Auftrag der Stadt Hamburg einen weiteren Realisierungswettbewerb für den Domplatz Hamburg. Gegenstand des Wettbewerbes war die Bebauung des Domplatzes mit einem gemischt genutzten Gebäude (Bibliothek, Büros, Wohnungen, öffentliche Einrichtungen).
Den ersten Preis erhielt ein Entwurf der Architekten Auer + Weber. Dieser Entwurf löste massive Kritik vieler Hamburger aus – unter diesen auch Altkanzler Helmut Schmidt. Letztlich wurde auch dieser Entwurf nicht realisiert.
In dieser Situation entschloss sich der damalige Stadtentwicklungssenator, Axel Gedaschko, eine öffentliche Internetdiskussion über die künftige Gestaltung des Domplatzes durchführen zu lassen. Zwischen dem 29.Mai und dem 14.Juni 2007 konnten sich interessierte Bürger an der Diskussion beteiligen und auch eigene Entwürfe erstellen.
Die Mehrheit der Teilnehmer wollten nur eine Teilbebauung oder die Erhaltung des Domplatzes als Freifläche. Für die Bebauung der gesamten Fläche mit einem Gebäude sprachen sich dagegen deutlich weniger Bürger aus. Viele Entwürfe wiesen außerdem einen Bezug zur Geschichte des Domplatzes auf. So wurden bspw. ein Archäologiepark vorgeschlagen, in dem Fundstücke der Ausgrabungen effektvoll inszeniert werden. Andere stellen die Funktion des Domplatzes als Begegnungs- und Erlebnisstätte heraus.
Was heute zu besichtigen war, lag genau auf dieser Linie. Auch wenn keiner der Bürgerentwürfe direkt umgesetzt wurde, ist ein grüner Platz entstanden, der zum Verweilen einlädt und gleichzeitig die historischen Wurzeln dieses Ortes thematisiert.
So wird der Verlauf des Befestigungswalls der Domburg an einigen Stellen durch Stahlkonstruktionen markiert. Auf dem mit Rasen und Bäumen begrünten Platz sind eine Vielzahl von –nachts – beleuchteten Quadern installiert, die als Sitzgelegenheit dienen. Einer dieser beleuchteten Sitze gibt den Blick auf die Fundamente des Mariendomes frei.
Fast euphorisch äußerte sich Hamburgs Bodendenkmalpfleger und Leiter des Helms-Museums Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss zur Neugestaltung des Domplatzes („habe seit 14 Tagen ein Dauergrinsen im Gesicht“). Die Gestaltung des Platzes würde dessen historischen Bedeutung wirklich entsprechen. Durch die Markierung der Befestigungswälle würde man erst ein Gefühl für die Dimensionen der Domburg bekommen und es wäre einmalig, dass sich ein Stadt wie Hamburg traut, einen Platz in dieser Lage nicht mit großen Gebäuden zu bebauen.
Auch Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk wirkte sehr zufrieden mit dieser Gestaltung und ist sich sicher, dass der Platz von Hamburgern und Touristen gleichermaßen angenommen und als Ruhpunkt und grüne Oase in der City genutzt werden wird.
Ausdrücklich bedankte sich Frau Hajduk bei den Teilnehmern des Internetforums, die mit ihren Beiträgen und Entwürfen einen erheblichen Einfluss auf die jetzige Gestaltung gehabt hätten.
Markus Schreiber betonte, dass er immer gegen eine geschlossen Bebauung gewesen sei und freute sich ebenfalls über jetzt die realisierte Lösung. Ob der Platz dauerhaft in dieser Form bestehen bleiben kann, hängt sicher auch davon ab, ob die Begeisterung der Verantwortlichen jetzt auch von den Bürgerinnen und Bürgern geteilt werden wird.




