Von Birgit Hohberg, 5. Oktober 2006, 09:43 Uhr

Logo Leitbilddiskurs Hamburg Im Anschluss an die vierwöchige Internetdiskussion zum Thema „Metropole Hamburg – Wachsende Stadt“ im Dezember 2002 wurden die 57 ausgearbeiteten Ideen an die folgenden Jurymitglieder übergeben - Dipl.-Ing. Alexandra Czerner (Bund Deutscher Architekten), Dr. Werner Marnette (Vorsitzender des Industrie-Verbandes Hamburg und Vorstandsvorsitzender der Norddeutschen Affinerie AG), Menso Heyl (Chefredakteur des Hamburger Abendblattes und Medienpartner des DEMOS-Projektes), Prof. Jörn Walter (Oberbaudirektor der Behörde für Bau und Verkehr - heute BSU), Dr. Hellmut Körner (damaliger Leiter des Planungsstabs der Senatskanzlei). Anhand eines festgelegten Kriterienkatalogs, der unter anderem Realisierbarkeit, Finanzierbarkeit und Innovationsgehalt der Vorschläge berücksichtigte, prämierte die Jury am 20.12.2002 sieben Ideen aus dem Gesamtkatalog und empfahl sie dem Senat zur genauen Prüfung und Umsetzung.
Die 17 Preisträger des Ideenwettbewerbs wurden zu einem Gespräch mit dem Ersten Bürgermeister ins Gästehaus des Senats eingeladen und die prämierten Ideen auf der Internetseite www.wachsende-stadt.hamburg.de veröffentlicht. Über den Umsetzungsstand der ausgezeichneten Ideen wurden die Ideengeber nach einem Jahr schriftlich informiert. Im Rahmen der Tagung „Elektronische Demokratie – Bürgerbeteiligung im Netz“ sind die Erfahrungen aus dem DEMOS-Projekt vor der Fachöffentlichkeit erläutert worden. Die prämierten Ideen wurden von der federführenden Behörde an die zuständigen Fachbehörden weitergeleitet, auf ihre konkrete finanzieller und rechtliche Umsetzbarkeit geprüft und erste Umsetzungsschritte bzw. konkrete Maßnahmen durch die Senatskommission für Stadtentwicklung beschlossen:

Gläsernen Produktionsstätten >>>
Die Stadt realisiert nach Prüfung nun eine Aussichtsplattform für den Containerterminal Altenwerder: das Umschlagsgeschehen des mit innovativer und voll automatisierter Umschlagstechnik ausgestatteten Containerterminals soll von einer neuen Besucherplattform auf dem im letzten Jahren errichteten Erdwall erlebbar gemacht werden. Er wurde dazu abwechselungsreich bepflanzt und neue Wanderwege angelegt. Eine vorläufige Zugänglichkeit für Besucher wurde bis Mai 2005 hergestellt und das Wegenetz bald komplett fertig gestellt sein. Zusätzlich wird die zur Elbe hin gläserne Außenfront der Major Component Assembly Hall, in der seit Sommer 2003 der Airbus A380 gefertigt wird, mit der Ausrüstungshalle fortgesetzt.

Event- und Wohnbrücke / Neue Beleuchtungskonzepte >>>
Für attraktive Event- und Wohnbrücken sind private Investoren unerlässlich. Die Senatskommission für Stadtentwicklung hat daher im Dezember 2003 beschlossen, dass die Stadt hier lediglich ideengebend und aktivierend und im Falle von unterstützungswerten Initiativen befördernd wirken kann, wie bspw. durch die Organisation eines Studentenwettbewerbs, der 2004 durchgeführt wurde. 2005 trat der Hamburger Architekt Teherani mit einem Entwurf zu einer solchen Brücke an die Öffentlichkeit.

Die Senatskommission für Stadtentwicklung hat in 2004 ein Lichtkonzept für die Hamburger Innenstadt beschlossen, in dem allgemeine Prinzipien für die Verwendung von Licht in der Stadt formuliert werden. Es versteht sich als ein Gesamtkonzept auf städtebaulicher Ebene, dessen Zielsetzung in der Herstellung eines charakteristischen Nachtbildes der Hamburger Innenstadt besteht. Stadtstrukturelle und architektonische Elemente werden im Nachtbild akzentuiert und gestärkt. Hamburg hat mit der Realisierung erster großer Projekte bereits begonnen, z.B. die neue Beleuchtung des Rathauses und des neu gestalteten Jungfernstiegs.

Harburgs Potential stärken, Sportboothafen Harburg und Schwimmende Häuser >>>
Die drei Ideen stehen im thematischen Zusammenhang mit dem „Sprung über die Elbe“, der mittlerweile zu einem der Leitprojekte der Wachsenden Stadt geworden ist.
Zur Revitalisierung des Harburger Binnenhafens soll der Bereich der Harburger Schlossinsel aus dem Geltungsbereich des Hafenentwicklungsgesetzes entlassen werden. Für den inneren Bereich der Schlossinsel wird eine Umnutzung in gemischte Strukturen angestrebt, deren genaue inhaltliche Ausprägung gegenwärtig noch nicht feststeht. Die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur und der Entwicklungsmöglichkeiten der von der Umnutzung direkt oder indirekt betroffenen Betreibe soll beachtet werden.

Konkret treibt die Stadt die Realisierung eines Sportboothafens für Vereinsnutzung auf dem Gelände am Dampfschiffweg nördlich des Überwinterungshafens sowie den angrenzenden Wasserflächen voran. Vorgesehen sind bislang etwa 65 Liegeplätze, die zur Unterbringung bestehender, zu verlagernder Sportvereinsanlagen dienen und in geringem Umfang Platz für Gastlieger bieten. Ob zusätzliche Liegeplätze geschaffen werden können, wird bei der bis 2007 angestrebten Realisierung geprüft. Eine internationale Großmarina wird sich nach fachlicher Bewertung dagegen nicht realisieren lassen.

Einer zügigen Umsetzung Schwimmender Häuser stehen baurechtliche Fragen hinsichtlich der Genehmigungserfordernisse und schwierige Liegeplatzfragen entgegen. Diese werden zunächst ausgeräumt, um Regelungen zur Zulassung zu ermöglichen. Hierbei sollen mögliche Beeinträchtigungen des Naturhaushalts, der landschaftlichen oder städtebaulichen Qualitäten und der hafenwirtschaftlichen Erfordernisse Beachtung finden. Ein Genehmigungsleitfaden wird vorbereitet, der Interessenten an die Hand gegeben wird und die Realisierung des eigenen Hausboots erleichtern soll. Außerdem wurde eine Ausstellung zu Schwimmenden Häusern durchgeführt. Derzeit wird eine Standortkarte mit geeigneten Bereichen für Schwimmende Häuser bzw. Hausboote erarbeitet.

Wohnen und Integration >>>
Bei der Gestaltung von Wohnungsbauvorhaben werden die Interessen von älteren und behinderten Menschen beachtet. Seit 2001 wurden mit öffentlicher Förderung etwa 183 Rollstuhlfahrerwohnungen und 1.844 altengerechte Wohnungen und betreute Seniorenwohnungen fertig gestellt - und vorwiegend in den übrigen Wohnungsbestand eingestreut. Davon sind 420 Wohnungen in Pflegeeinrichtungen gebaut worden. Um daneben auch ältere, pflegebedürftige Menschen zu integrieren, erprobt die Stadt derzeit Gemeinschaftswohnformen ohne Heimcharakter, z.B. durch das Projekt “Haus am Kanal” in der Krausestraße im Bezirk Hamburg-Nord. Es wird mit Mitteln der Wohnungsbauförderung, der Behörde für Soziales und Familie und des Bundesgesundheitsministeriums gefördert.

Besonders offen für die Integration u. a. behinderter Menschen sind Baugemeinschaften - private Zusammenschlüsse von mindestens drei bis etwa 20 Haushalten, die auf eigenem Grundstück Wohnraum zur Eigennutzung errichten. Zur ihrer Förderung wurde im Sommer 2003 bei der Behörde für Bau und Verkehr eine Agentur eingerichtet, die den Baugemeinschaften beratend zur Seite steht. Beispiel für die Umsetzung solcher Konzepte ist das Bauvorhaben “Eidelstedter Feldmark”. Im Dezember 2004 wurden die in Passivhausbauweise entstandenen 45 Wohnungen bezogen, von denen 14 behindertengerechten Charakter haben. Hier wohnen verschiedene Generationen, Familien und Singles sowie Menschen mit Behinderungen in einer guten Gemeinschaft und Nachbarschaft zusammen. Das im DEMOS-Wettbewerb vorgeschlagene Integrationsprojekt auf der Fläche Elfenwiese in Harburg mit behinderten Kindern und ihren Familien soll umgesetzt werden. Dafür hat die Stadt im August 2004 12 Grundstücke reserviert, die nach Abschluss des Bebauungsplanverfahrens zur Verfügung gestellt werden können.

Das ebenfalls vorgeschlagene Konzept “Stadthof” der Insel e.V. sieht vor, Menschen, die bei der selbstständigen Lebensführung Unterstützung brauchen, geistig behindert, sozial benachteiligt sind oder Lernschwierigkeiten haben, Arbeits- und Qualifizierungsmöglichkeiten zu bieten. U. a. sollen in einer Tageseinrichtung behinderte und nicht behinderte Kinder sowie deren Eltern im Raum Altona/Eimsbüttel gefördert werden. Es werden derzeit die Umsetzungsmöglichkeiten in Kooperation mit bestehenden Einrichtungen geprüft.

Weitere geplante Projekte sind ein Mehr-Generationen-Projekt in Langenhorn, die Projektgemeinschaft Max-B an der Max-Brauer-Allee sowie das Parkquartier Friedrichsberg im Bezirk Hamburg-Nord; Projekte mit Wohnungen für ambulant betreute psychisch kranke Menschen, Altenwohnungen und öffentlich geförderte Mietwohnungen für Menschen mit Behinderungen.

Die DEMOS-Diskussion ist unter der Adresse http://demos.tutech.net, der offizielle Ergebnisbericht unter Ergebnisbericht (PDF) nachzulesen.

Quelle: Große Anfrage 18/1690, Parlamentsdatenbank;

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