Es ist - man kann es nicht anders sagen - beschämend. Deutschland erteilt weniger demokratischen Staaten gerne Nachhilfe in Sachen Zivilgesellschaft und möchte im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien zur Weltspitze gehören. Im Schnittfeld von Demokratie und Internet und vor allem bei der Bürgerbeteiligung im Netz muss sich Deutschland im internationalen Vergleich aber von Ländern wie China oder Libanon auf die hinteren Plätze verweisen lassen.
Laut dem e-Participation Index der jüngsten UN-Untersuchung zum E-Government gehört Deutschland in diesem Bereich nicht zu den 35 führenden Ländern, sondern steht in der Rangliste ganz hinten. Unfassbar: Selbst Burkina Faso oder die Kapverdischen Inseln haben in Sachen E-Partizipation mehr zu bieten als Deutschland.
Was ist der e-Particpation Index?
Die Vereinten Nationen führen jedes Jahr eine vergleichende Untersuchung zur Nutzung von IT in Politik und Verwaltung durch (UN E-Government Survey 2008). Teil dieser Untersuchung ist der e-Participation Index, der sich in die Bereiche Information, Consultation und Decision-Making unterteilt. Unter der Kategorie Information wird bewertet, ob die Webseiten der Regierungen Informationen über gewählten Repräsentanten, die Regierung und Ministerien, Politik, Programme, Kontaktmöglichkeiten etc. aufweisen. Unter E-Consultation fallen Möglichkeiten der Meinungsäußerung auf den offiziellen Webseiten der jeweiligen Regierung, Umfragen oder elektronische Eingaben (Petitionen). Wenn sich die Regierung außerdem verpflichtet, die Ergebnisse von Bürgerbefragungen zumindest in die Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen und Informationen über die Umsetzung von Ergebnissen zur Verfügung stellt, spricht die UN von E-Decision-Making.
Nur Aktivitäten auf nationaler Ebene gewertet
Jeder Bereich wurde in jedem Land auf einer Skala von 0 -4 bewertet. Insbesondere in den Bereichen E-Consultation und E-Decision-Making hat die Bundesregierung wenig bis gar nichts zu bieten. Der einzige Trost ist, dass in der Untersuchung nur die Webseiten der Bundesregierung bewertet wurden und die regionale Ebene nicht berücksichtigt worden ist. Die meisten E-Partizipationsprojekte finden aber eben auf Länder- bzw. kommunaler Ebene statt.
Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung die Ergebnisse des UN E-Government Surveys wenigstens zur Kenntnis nimmt und aus ihrem Donröschenschlaf erwacht.
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Kommentar von Udo
3 20. Januar 2008, 19:22 Uhr |
Rolf!
Ja. “gewogen und für zu leicht befunden” [elektronisches Menetekel ]
Wo “Bürgermeisterblog verschollen” im Kleinen Web 2.0 Realtät ist, wundern diese Ergebnisse im Großen der EdeMokRatie eigentlich nicht.
Dafür wurde aber die Vorratsdatenspeicherung - heute Bayern, morgen Deutschland und übermorgen auf der ganzen Welt entwickelt und alle Kraft in den Bundestrojaner aka remote forensic software, im Volksmund “Brainbug” genannt, gelegt. - Warum Bürger/In in e-partizipations-Systemen und im Wandelkessel zuhören, wenn man ihn viel besser abhören kann?
Im Märchen Rotkäppchen & der Wolf der Vorratsdatenspeicherung ist der Wolf auf dem Auge der e-Participation sicher blind oder gelähmt…
Mit diesem Artikel über den e-participation Index der UN hast Du schon Anfang 2008 gute Aussichten der Prinz zu sein, der das “Donröschen” wach küßt.
Mal sehen, wie lange die Bundesregierung braucht bis die UN E-Government Survey 2008, wie die PISA Untersuchung für den Meinungsbildungsprozeß in Deutscher Sprache abrufbar ist bzw. als Nachrichten auf den GEZ-finanzierten Sendern für uns “Internetkonsumenten” transportiert wird.
Ich glaube in Deutschland sieht man in der Führung die e-communication, e-partycipation und e-partizipation als Gefahr, die es zu überwachen gilt, anstatt die grenzenlose elektronische Interaktion in Wort und Bild als nachhaltigen Schatz mit “Mehrwert” zu begreifen.
Na. Abgeordnetenwatch.de zeigt daß e-partizipation nicht von oben angestoßen wird….
U
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