Wahljahr 2.0

Spätestens seit Barack Obamas beeindruckendem Online-Wahlkampf entdecken auch deutsche Politiker das social web als Kampagneninstrument. Vereinzelt finden sich allerdings auch schon viel früher gute Beispiele. Bereits im niedersächsischem Kommunalwahlkampf 2006 sah der parteilose Kandidat Christoph Meinecke im Internet – nach dem persönlichen Kontakt – die wichtigste Schnittstelle zum Bürger.

Zu Beginn waren die jungen Unterstützer wichtig, eine Zielgruppe, die ich als junger Kandidat mit ihren Wünschen und meinen Themen erreichen wollte. In sozialen Netzwerken wie kiezkollegen gaben meine Freunde die Info an ihre Bekannten durch. Im Flüsterton ging es durch das Internet, Bür­germeister will er werden. Mit 26. Einer von uns. Vor allem bei den jungen Wählern unter 30 Jahren stieg die Aufmerksamkeit für die bevorstehende Wahl.

(…) Spätestens als ich auf der Homepage begann, regelmäßig zu berichten, wuchs die Gruppe Interessierter. Einträge und Kommentare folgten, die Familien und Senioren ansprachen, Feuerwehren und Vereine. Langsam verwischten die Grenzen der Kommunikationswege. Das Oszillieren zwischen Virtuellem und Realem begann, in der Sprache des Web 2.0 könnte man es als Mash Up bezeichnen.

(…) Je näher die Wahl rückte, desto größer wurde der Kreis derer, die ich erreicht hatte. Die Spannung stieg, wie viele Stimmen ich holen könnte und ob es für den Schlüssel zum Rathaus reichen sollte.“ (Quelle)

Es reichte um Meinecke zum jüngsten hauptamtlichen Bürgermeister Niedersachsens zu machen.

Was in der niedersächsischen Provinz und in den USA gleichermaßen funktioniert kann in Hessen nicht ganz falsch sein, mag sich Thorsten Schäfer-Gümbel gedacht haben. Vom Video-Dialog, über eine Facebook Fan-Page bis zum Profil beim Microblogging-Dienst Twitter (tsghessen) zieht der Hessische Ministerpräsidentkandidat derzeit alle Web-Wahlkampf-Register. Und das macht er nicht schlecht.

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Quelle

Anfangs mit Spot und Häme bedacht, zollt die Netzwelt „Twitter-Gümbel“ (Robert Basic) mittlerweile Respekt. Nicht zuletzt weil er das Internet nicht nur als Verbreitungskanal nutzt, sondern tatsächlich mit den potenziellen Wählern in Kontakt tritt. Hier ein Auszug aus einem Twitter-Dialog mit dem „Alpha-Geek“ (SpOn) Robert Basic alias RobGreen:

RobGreen: @tsghessen Grüße von Hesse zu Hesse, viel Spaß mit Twitter, finde Dich erstaunlich locker. Netter Kontrast zu Koch;)

tsghessen: @RobGreen schoen sie hier zu sehen.

RobGreen: @tsghessen Dank für die Reaktion! Ist so eine Art Lackmus-Test. Bestanden;) Viel Erfolg!! Idee: Twitter-Interview? Interesse?

tsghessen: @RobGreen Hab schon viele termine. Samstag geht. Zeit kommt noch. Ok?

RobGreen: @tsghessen perfekt, hey,… Webturbo? Cool:=] Passt. Bin da. Zeitvorliebe: Vormittag Samstag.

Im aktuellen Landtagswahlkampf in Hessen und im Ausblick auf die kommende Europawahl ist ein Trend klar erkennbar: Jeder halbwegs motivierte Kandidat in einem der kommenden Wahlkämpfe wird einen Account bei Facebook und Twitter haben und gelegentlich bei YouTube ins Internet sprechen. Einige werden sich davon absetzen, indem sie die Werkzeuge dialog-orientierter nutzen als ihre Konkurrenten und auch nach einer Wahl damit nicht aufhören,

fasst netzpolitik.org die Ergebnisse der 3. Kurzstudie: Politik im Web 2.0 zusammen.

Ob diese Aktivitäten Wahl entscheidend sein werden ist gegenwärtig genauso schwer zu beurteilen wie die Frage, ob sich die jeweilige Wählerschaft tatsächlich aktiv in den Wahlkampf einschaltet. Immerhin, es gibt dafür erste Anzeichen.

So konnte Schäfer-Gümbel auf der social networking Plattform Facebook bereits 502 Unterstützer mobilisieren – das entspricht etwa 0,1 % der Wahlberechtigten. Zum Vergleich: ca 1,5 der Wähler in den USA haben auf der gleichen Plattform Barack Obama unterstützt.

Und auch ein user generated video gibt es dank der Fan-Gemeinde von Die Linke inzwischen zu bestaunen. Im Vergleich zum Obama-Girl wirkt es etwas bieder, aber vielleicht habe ich auch die feine Selbstironie nicht begriffen, mit der Wahlkämpfer ja angeblich viel Sympathie wecken können.

Wer sich im kommenden Superwahljahr regelmäßig über die Netzakrobatik der deutschen Politiker/innen informieren möchte, dem empfehle ich ab und zu die Linksammlung und Hinweise im FriendFeed-Room Politik zu besuchen.

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Eine Antwort auf Wahljahr 2.0

  1. Rolf Lührs sagt:

    updates:

    - Das Twitter Interview mit TSG kann man hier nachlesen

    -Einen Beitrag über Twitter im Hessischen Wahlkampf hier

    - Einen Beitrag über Sinn/Unsinn von Twitterinterviews hier

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