Social Networks waren eines der großen Internetthemen 2008. Inzwischen zeigt sich auch deren politisches Potenzial immer deutlicher. Unter der Überschrift Social Networks On Social Change gibt es inzwischen eine Vielzahl von Angeboten, die versuchen, die Welt zum Besseren zu verändern. Hier drei Beispiele:
1. kiva.org – loans that changes lives
Diese Website organisiert bereits seit 2004 Kredite für Kleinunternehmer in den Entwicklungsländern. Die Idee ist einfach und funktioniert: Unternehmer oder solche, die es werden möchten bewerben sich um Privatkredite auf der Website. Potenzielle Geldgeber stellen kleine Beträge zur Verfügung, die in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten zurückgezahlt werden müssen. Die Bewerber werden von internationalen Mikrokreditinstitutionen ausgewählt, so dass die Vertrauenswürdigkeit der Kreditnehmer (einigermaßen) sicher gestellt ist. Der Erfolg ist beeindruckend: Allein in der letzten Woche hat kiva.org Kredite in der Höhe von mehr als 600.000 Euro organisiert, mit deren Hilfe knapp 1000 Projekte finanziert werden konnten. Die durchschnittliche Wartezeit für einen Kreditnehmer beträgt derzeit etwa acht Stunden – danach steht die gewünschte Summe bereit. Weil es inzwischen mehr Geldgeber als Kreditnehmer gibt, sind die Summen auf 25$ pro Verleiher und Projekt begrenzt worden.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=QDLlhW9LLKc[/youtube]
2. kaioo.com
Gute Ideen können auch aus Deutschland kommen (insbesondere aus Hamburg
. Inspiriert wurde kaioo.com von den großen Social Networks wie MySpace, Facebook oder StudiVZ. Allesamt beeindrucken mit großen Zahlen für Unternehmenswerte und Umsatz. Bisher einzige Erlösquelle: Werbung. Diese Einnahmen könnten auch für gute Zwecke verwendet werden, statt nur die jeweiligen Gründer sagenhaft reich zu machen. Dies dachten sich jedenfalls die Initiatoren und fanden mit Ihre Idee prominente Unterstützer. Hinter Kaioo.com steht eine gemeinnützige Stiftungs-GmbH, die alle eingehenden Einnahmen spenden will. Der Betrieb der Plattform soll selbst ausschließlich durch Spenden finanziert werden Die Nutzer sollen über den Verwendungszweck der Einnhamen abstimmen können. Das Projekt befindet sich derzeit in der öffentlichen Betaphase. Bis die Werbemillionen fließen werden, gibt es aber noch einiges zu tun…
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=eNNrzSXcUGE[/youtube]
3. change.org
What do you want to change in the world? Wer auf diese Frage eine Antwort finden will oder sie schon weiß, ist bei change.org an der richtigen Adresse. Hier kann man nach Gleichgesinnten suchen, Aktionen vorschlagen oder mitmachen und natürlich Geld spenden – gegen absetzbare Spendenquittung. Die passenden (Nicht-Regierungs-) Organisationen findet sich auf change.org höchst wahrscheinlich und Politiker, die das jeweiligen Anliegen unterstützen, sind extra aufgeführt. Ansonsten finden sich die klassischen Netwerkfunktionen wie Foren, Blogs, persönliche Profile inklusive Listen und Links zu Freunden, letzten Aktivitäten usw. Auch Fotos und Videos lassen sich hoch laden. Change.org gibt es erst seit Februar 2007 und bisher nur in den USA. Bislang wurden 1782 so genannte changes eingestellt – Zustände, die jemand ändern möchte und diese Absicht mit Unterstützern, Organisationen, Aktionen und Geldspenden verknüpfen kann.
So bekämpft z.B. Teilnehmer James A. die globale Armut und konnte dafür 2000 Mitstreiter gewinnen, die bisher ungefähr 18.000 $ gespendet und 600 Aktionen vorschlagen oder durchgeführt haben. Sicher, gemessen an der Größe des Problems nur ein kleiner Beitrag, aber er zeigt, dass das Prinzip funktioniert.
Um die Reichweite zu erhöhen, stellt change.org jetzt gemeinnützigen Organisationen die eigene Plattform kostenlos zur Verfügung. Die so entstehenden Seiten sind wiederum Teil des übergreifenden change.org Netzwerkes. Greenpeace oder Amnesty International kooperieren bereits mit change.org.
Es wird spannend zu beobachten, ob sich alle drei Modelle langfristig durchsetzten können. Der politische Einfluss von Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung im Internet wird jedenfalls größer.


