Von Harald Rathmann, 26. Januar 2009, 13:46 Uhr

OpenStreetMap Logo - Quelle: WikipediaDie Bereitstellung und Nutzung von Geodaten erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Waren digitale Karten und Pläne noch vor wenigen Jahren Privileg von administrativen Einrichtungen und Militär, sind sie spätestens seit Google Maps und der flächendeckenden Verbreitung von Navigationsgeräten beim Bürger angekommen. Geodaten, verpackt in interaktive Karten sind inzwischen überall im Internet zu finden. Neue Web-Anwendungen sprießen wie Pilze aus dem Boden und bringen die Nutzung von Geodaten in jeglicher Form an den Mann bzw. die Frau.

Wer einen Ort auf der Erde sucht, geht inzwischen ins Internet anstatt den Atlas aus dem Regal zu ziehen. In der Regel sind die Karten im Netz heute aktueller und sogar genauer als das Papierwerk. Hinzu kommt oftmals der Vorteil, im Netz den Stadtplan mit Zusatzinformationen oder einem passenden Luftbild hinterlegen zu können.

Nicht ohne Lizenz

Geodaten und Geoinformationen haben ein entscheidendes Problem, warum sie bisher überwiegend für administrative Aufgaben vorbehalten waren. Ihre Erfassung ist extrem kostspielig, so dass sie heutzutage selten frei erhältlich sind. Wer eine Anfahrtskizze auf seine Homepage stellen oder in ein Druckwerk einbinden möchte, kann dies oft nur durch das Einkaufen einer (unter Umständen sehr teuren) Lizenz für proprietäres Kartenmaterial tun.

Auch Google stellt seine Karten unter Lizenz. Für die Bereitstellung der Daten ist eine gigantische Infrastruktur erforderlich, die entsprechend finanziert werden will. Verlassen sollte man sich auf den weitgehend freien Dienst des amerikanischen Konzerns jedenfalls nicht, zumindest nicht bis in alle Ewigkeit. Zudem gibt Google keine Garantie für die Genauigkeit und Aktualitätder Daten.

Doppelt bezahlt - mit Steuergeldern

Amtliche Geodaten werden in Deutschland von den Landesvermessungsämtern aufgenommen und sind damit über Steuergeldern finanziert. Abstruser Weise stehen sie deswegen aber noch lange nicht jedermann zur Verfügung. Im Gegenteil, selbst Städte und Gemeinden müssen die Daten für viel Geld und unter strengen Auflagen kaufen, wodurch die hochpräziesen Daten bisher kaum beim Bürger angekommen sind.

Auf Bundesebene laufen erste Bemühungen die Daten für Bundesbehörden frei zu geben. Auf Kommunaler Ebene gibt es unterschiedliche Konzepte. Wenn überhaupt werden dem Bürger bzw. der Wirtschaft die Daten über kommunale Geoportale und Informationsdienste zugänglich gemacht. Zugriff auf die originären Daten besteht dabei nicht.

Von allen für alle

Ein ganz anderes Konzept wird seit Ende 2004 mit dem Projekt OpenStreetMap (DE) verfolgt. Die Idee hat im letzten Jahr gewaltig an popularität gewonnen und kann inzwischen Google & Co. Konkurrenz machen. OpenStreetMap ist ein Projekt mit dem Ziel, eine freie Weltkarte zu erschaffen - eine Karte der Erdoberfläche, die von jedem benutzt und erweitert werden kann. In einem offenen Prozess erheben tausende von Freiwilligen Geodaten und sammeln sie in einer zentralen Datenbank. OpenStreetMap will damit die Abhängigkeit von den Anbietern proprietärer Daten beenden.

Die Zusammenarbeit der Projektmitglieder erfolgt - im Web 2.0-Zeitalter üblich - über das Internet. So entsteht eine freie Geodatenbank, die weltweit allen Menschen uneingeschränkt zur Verfügung steht (stehen soll). Sowohl die Nutzung der Karte als OGC-konformer WebMapService (WMS) mit vorberechneten Kartenbildern als auch die Nutzung der Geodaten in Rohform ist möglich. Besonders die Verwendung der Rohdaten ist neu und stellt in diesem Umfang bisher alles dagewesene in den Schatten. Noch nie wurde irgendwo eine derartigen Menge an aktuellen Geodaten für jedermann frei zum Download angeboten.

Die Datenmenge wird ständig erweitert. In Europa verschwinden weiße Flecken auf der Landkarte zusehends. Die vorhandenen Daten sind zumeist aktueller und teilweise auch genauer (z.B. Radwege) als kommerzielle Angebote, da sie von den derzeit etwa 85.000 bei OpenStreetMap registrierten Mitgliedern ständig kontrolliert und ergänzt werden. Im Schnitt sind im Monat 10% der Mitglieder aktiv mit der Datenpflege beschäftigt. Die Datenbank umfasste inzwischen knapp 650 Millionen Wegpunkte (OSM-Statistik).

Creative Commons

Ganz ohne Lizenz kommt auch OpenStreetMap nicht aus. Die Geodaten stehen unter der “Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0″ (auf Deutsch: “Namensnennung unter gleichen Bedingungen”). Hiernach ist jegliche Art der Nutzung der Geodaten (auch gewerblich) zulässig. Es muss jedoch angegeben werden, woher die Daten stammen, und jedes Werk, das aus Daten von OpenStreetMap abgeleitet ist, muss wiederum unter dieser Lizenz stehen.

Jeder darf also zum Beispiel einen Fahrradatlas mit OpenStreetMap-Daten produzieren und verkaufen – solange er dazu schreibt, dass die Daten von OpenStreetMap kommen und solange der Fahrradatlas seinerseits die CC-BY-SA-Lizenz hat (das bedeutet wiederum: Jeder darf den Fahrradatlas kopieren oder als Basis für eigene Werke nutzen). Die Lizenz verhält sich ganz ähnlich wie die im Bereich freier Software verbreitete GNU General Public License (GPL). (Legal-FAQ)

via openstreetmap.de

Für Forschung und Lehre, für kleine und mittlere Unternehmen, für Organisationen und Verbände, für Hobby-Geografen sowie private Anwender ergeben sich mit OpenStreetMap völlig neue Möglichkeiten. Der Kreativität und dem Eifer der Projektmitglieder sind kaum Grenzen gesetzt. Die Anzahl derer, die das Projekt unterstützen wächst in rasantem Tempo und nimmt derzeit noch an Fahrt auf.

Fortsetzung folgt…

Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Verwandte Artikel:

Kommentiere den Artikel oder setze einen Trackback

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen