2004 schrieb James Surowiecki in seinem Buch “The Wisdom of Crowds: Why the Many Are Smarter Than the Few and How Collective Wisdom Shapes Business, Economies, Societies and Nationsâ€? ausführlich darüber, wie kollektive Entscheidungen zu Stande kommen und das diese oftmals weitaus vernünftiger und im Rückblick richtiger sind als die Entscheidungen einzelner oder weniger Experten. Dabei zieht er Beispiele aus der Wirtschaft, der Politik und dem Alltagsleben heran. Ich möchte nun ein weiteres Beispiel nennen, für das seine These der Weisheit der Vielen zu gelten scheint, nämlich Beteiligungshaushalte.
Oftmals wird die These aufgestellt, dass Bürger nur ihre Partikularinteressen verfolgen und übermäßige Forderungen an die Politik stellen, während sie nicht bereit sind Sparvorschläge zu machen. Darüber hinaus würde die hohe Komplexität eines Haushaltsplans es den Bürgern schwer machen, abgewogene und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Betrachtet man nun die Ergebnisse von Beteiligungshaushalten in Deutschland, so wird schnell klar, dass dies nicht richtig sein kann.
An dieser Stelle möchte ich konkret auf die Beteiligungshaushalte in Hamburg und Freiburg eingehen, die wir durchgeführt haben. Im Hamburger Fall war es den Beteiligten möglich, den Etat der einzelnen Haushaltsposten jeweils um bis zu 50% zu vergrößern oder zu verkleinern. In Freiburg war sogar eine Spanne von 100% in beide Richtungen möglich. In gegen der vorher genannten Vorurteile lag die extremste Abweichung in Hamburg bei 79% der vorgeben Summe und insgesamt wurde eher gespart als das Etats vergrößert wurden. Dabei verteilten sich die Einsparungen über alle Felder des Haushaltes. Beim Freiburger Beteiligungshaushalt, der aktuell noch läuft, zeichnet sich ein ähnliches Bild ab, obwohl die möglichen Änderungsspannen noch größer sind. Die größte Änderung liegt bei 76% der vorgegeben Summe, also einer Änderung von 24%.
Vielleicht stimmt es, dass Bürger bei ihren Entscheidungen über den Haushalt Partikularinteressen verfolgen, aber dennoch scheint die Weisheit der Vielen auch hier zu gelten, so dass die Gesamtergebnisse ein sehr vernünftiges und keineswegs radikales Bild zeigen. Betrachtet man zusätzlich noch die Begründungen, die die Beteiligten für ihre Entscheidungen angegeben haben, so muss auch der Vorwurf der Verfolgung von reinen Eigeninteressen wohl verneint werden. Sicherlich gilt dies für einige Teilnehmer, aber der größte Teil abstrahiert von der eigenen Position und versucht das Allgemeininteresse mit in seine Überlegungen einzubeziehen.
Bedenkt man nun noch den zweiten Teil von Surowieckis These, dass Experten vielleicht seltener richtig liegen als eine große Gruppe, so erscheint der Beteiligungshaushalt als ein wichtiges Werkzeug um ausgewogene Haushaltsentscheidungen zu treffen.
Beitrag ausdrucken




Bisher keine Kommentare